Thomas Hampson hatte nur vier Stunden Schlaf. Aber er will nicht klagen, würde es wahrscheinlich sogar vermissen, wäre sein Terminkalender nicht mehr derart prall gefüllt. In Heidelberg leitet der Bariton die Liedakademie des “Frühlings”. Aber zwischendurch musste er kurz nach Wien und mit dem Sänger Luca Pisaroni (der sein Schwiegersohn ist) ein Konzert geben. Tenöre waren auf der Bühne nicht erlaubt – das ist schon mal ein Unterschied zur Heidelberger Liedakademie.

Herr Hampson, hier beim Heidelberger Frühling und in seinem Umfeld gibt es einen echten Boom in Sachen Kunstlied. Sieht es auch im Rest der Welt so gut aus?

Thomas Hampson: Ein gewisser Punkt ist, dass die Liedkultur nicht gut genug gepflegt wurde. Im Ausbildungsbereich wird sehr viel Wert darauf gelegt, schnelle Karrieremöglichkeiten zu eröffnen und aus einer Stimme ein Geräusch herauszubringen, das in Opernhäusern nützlich ist. Beim Lied muss man sich gründlich mit Musik und Ton, Seele und Ausdruck auseinandersetzen – was ich für gesund halte. Es gibt ja auch in vielen Ländern Liedsänger, auch wenn sie nicht immer genügend viele Auftrittsmöglichkeiten haben. Insbesondere, wenn sie noch jung sind. Nachwuchskünstler fehlen nicht, aber bisweilen fehlt das Nachwuchspublikum.

Mehr: Mannheimer Morgen

 

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Thomas Hampson